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Lourdes


Lourdes ist einer der größten christlichen Wallfahrtsorte, seit im Jahr 1858 dem 14jährigen Mädchen Bernadette Soubirous in der Grotte von „Massabielle“ 18 mal die Muttergottes erschienen ist.
 
Bernadette Soubirous bei Kathpedia. Die freie katholische Enzyklopädie.

 
Es war im Jahr 1858, als die vierzehnjährige Bernadette Soubirous, Tochter armer Taglöhner, gewürdigt wurde, an achtzehn Tagen in der Grotte von Massabielle die Jungfrau Maria zu sehen und mit ihr zu sprechen.

 
Bernadette

 
Bernadette Soubirous wird am 7. Januar 1844 als Tochter eines verarmten Müllers in LOURDES geboren. LOURDES ist eine Kleinstadt in den französischen Pyrenäen. Durch die Stadt fließt ein kleiner Fluss - der Grave du Pau.
 
Seit ihrem 6. Lebensjahr leidet Bernadette an Asthma. Deshalb wächst sie bei einer Verwandten im nahegelegenen Dorf Bartrès auf, wo sie Schafe hütet. Sie ist sehr fromm, betet gerne den Rosenkranz und will möglichst früh zur ersten hl. Kommunion gehen. In Bartrès gibt es jedoch keinen Pfarrer, und so kehrt sie im Januar 1858 in ihr Elternhaus zurück.


Während des Holzsammelns mit einer ihrer Schwestern und einer Freundin erscheint Bernadette, die ein paar Meter hinter ihren Begleiterinnen zurückgeblieben ist, eine weiß gekleidete Dame, die einen Rosenkranz in der Hand hält. Dies ereignet sich am 11. Februar 1858 an der Grotte von Massabielle nahe der Stadt.
 
Bernadette hat in der Folgezeit noch siebzehn ähnliche Erscheinungen, wobei sie beim dritten Mal von der Erscheinenden gebeten wird, täglich zur Grotte zu kommen. 
 
Der Ortspfarrer begegnet der Nachricht zunächst mit Zurückhaltung, als Bernadette ihm aber persönlich Bericht erstattet, glaubt er ihr und setzt sich für sie ein. Für Bernadette folgt eine schwere Zeit, in der sie sich einigen Verhören von staatlichen Behörden und kirchlichen Kommissionen stellen muß. Außerdem steht sie im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses und kommt kaum noch zur Ruhe.


Bernadette schreibt in einem Brief über ihre erste Begegnung am 11.02.1858 mit der wunderbaren Erscheinung: „Ich ging mit zwei Mädchen an den Gave-Fluß zum Holzsammeln. Da hörte ich ein Geräusch und schaute nach der Höhle hin. Dort sah ich eine Dame in weißen Gewändern. Sie trug ein weißes Kleid, das mit einer blauen Schärpe gegürtet war. Auf jedem Fuß hatte sie eine gelbe Rose von der gleichen Farbe wie ihr Rosenkranz“. Die „schöne Dame“, wie Bernadette sie nennt, läst die Perlen des Rosenkranzes durch die Finger gleiten und Bernadette versteht dies als Zeichen, den Rosenkranz zu beten.
 
(Bernadette wußte nicht, daß es sich um Maria handelte) bedeutete ihr, den Rosenkranz zu beten und verschwand nach dem Gebet.)
 
Nachdem die Kinder davon zu Hause erzählt hatten machte Bernadette am 14.Februar eine Probe mit Weihwasser, wobei sich die „Dame“ ehrfürchtig davor und vor Gottes Namen verneigte.
 
Die Begleiter sahen allerdings nur den Glanz in Bernadettes Antlitz und nicht die Erscheinung.
 
Am 18.02. wurde sie von Bekannten begleitet. Maria sprach diesmal zu ihr, daß sie sich 14 Tage lang täglich einfinden möge, daß sie viele Leute an diesem Ort zu sehen wünsche, und auch die Worte: „Ich verspreche Ihnen nicht, Sie in dieser Welt glücklich zu machen, wohl aber in der anderen.“
 
Am nächsten Tag kamen an die hundert Menschen zum Gebet mit, worüber Maria erfreut war. Dämonische Einwirkungen, die im Umfeld Einfluß erhalten wollten, wurden von der Gottesmutter gebieterisch im Keim gestoppt.
 
Tags darauf lehrte Maria Bernadette ein ganz persönliches Gebet, um sie vor den kommenden Gefahren zu schützen.
 
Bei den späteren Begegnungen verspricht die Erscheinung dem Mädchen, sie nicht in diesem Leben, wohl aber im nächsten glücklich zu machen. Sie bittet Bernadette, für die Bekehrung der Sünder zu beten und am Ort der Erscheinung durch den Pfarrer von Lourdes eine Kapelle erbauen zu lassen, wohin man in Prozessionen wallfahren soll. Schließlich weist sie das Mädchen an, mit den Händen ein Loch zu graben; dort tritt eine Quelle in der Grotte zutage, deren Wasser schon bald wunderbare Krankenheilungen bewirkt- die berühmte Wunderquelle von LOURDES.
 
Immer wieder fragt Bernadette die Dame nach ihrem Namen. Aber erst bei der letzten Begegnung offenbart sich die Erscheinung mit den Worten: "Ich bin die unbefleckt Empfangene!"
 
Am 21.02. wurde Bernadette dann abends vom Polizeikomissar einem Kreuzverhör unterzogen; es gelang ihm jedoch nicht, sie in Widersprüche zu verwickeln. Ihr Vater verbot ihr, weiterhin zur Grotte zu gehen, hob dieses Verbot jedoch einen Tag später wieder auf.
 
Am 23.02. sandte Maria sie zu den Priestern, damit eine Kapelle errichtet würde.
 
Der herzensgute und sittenstrenge Pfarrer stellte jedoch die Bedingung, daß zum Zeichen der Echtheit der Rosenstrauch bei der Grotte zu blühen beginnen solle. Als tags darauf der Rosenstrauch nicht blühte war der Glaube des anwesenden Volks trotzdem nicht erschüttert.
 
Nachdem ihr Maria in ihrer 9. Erscheinung am 25.02. bereits ein drittes Geheimnis, das Bernadette niemandem sagen durfte, anvertraut hatte, wurde sie angewiesen, aus einer Quelle, die sie in der Grotte erst ergraben mußte, zu trinken, und von den Kräutern ringsum zu essen.
 
Die Quelle begann immer stärker zu strömen.
 
Auch wenn die Erscheinung tags darauf ausblieb, so ereignete sich doch ein Wunder: der Steinbrecher Bouriette wurde durch des Quellwasser von einem Augenleiden befreit.
 
Maria gemahnte auch weiterhin zur Buße der Sünder.
Nunmehr waren auch Ordnungshüter bei der Grotte anwesend.
Ein weiteres strenges Verhör vom kaiserlichen Prokurator zeitigte auch diesmal kein Fehl.
Am 02.03. wünschte Maria, daß man in Prozessionen zur Grotte ziehe.
 
Als am 04.März die 14 Tage verstrichen waren hatte Maria ihren Namen noch immer nicht genannt. An diesem Tag der 15.Erscheinung waren an die 20000 Leute anwesend. Abermals fand eine Heilung statt: abends ein 2-jähriges Kind.
 
Am 25. März, ein Marienfeiertag, erschien sie Bernadette wieder. Nach dreimaliger Bitte, ihren Namen zu nennen, bezeichnete sich Maria als die „Unbefleckte Empfängnis“. Da die „ungebildete“ Bernadette diese vom Papst vier Jahre zuvor verkündete Bezeichnung nicht kennen konnte, war auch der Pfarrer überzeugt.
 
Bei der nächsten Erscheinung am Ostermontag, dem 05. April, hielt Bernadette in ihrer Andacht ihre Kerze derart, daß ihre Hand eine längere Dauer in der Kerzenflamme war. Es konnte nicht das geringste Anzeichen einer Verbrennung erkannt werden.
 
Dann schlug der Unglaube zu: Bernadette wurde psychatriert, alles wurde mit natürlichen Kräften erklärt, und die Grotte schließlich am 08. Juni unzugänglich gemacht.
 
Ihre 18. Erscheinung hatte Bernadette am 16. Juli: nach dem abendlichen Kirchgang vernahm sie die Einladung zur Grotte zu kommen.
 
Obwohl sie nur am Ufer der in der Nähe befindlichen Gave knien konnte, und Maria kein Wort sprach, kam sie ihr schöner und lieblicher vor als je zuvor.


WIDERSTAND
 
Schon nach der ersten Erscheinung setzte die Abwehr ein. Es war die Mutter, die die Erzählung ihrer Tochter in das Reich der Fabeln verwies. Erst auf den Rat der Patin der Kleinen ging sie bei der vierten Erscheinung mit zur Grotte. - Der Vater stellte sich noch entschlossener gegen das, was Bernadette berichtete - entgegen seiner sonstigen väterlich-gütigen Art. Er wie seine Frau fürchteten das Gerede der Leute, das ihnen schon genug Ärger und Verachtung eingebracht hatte.
 
Dazu kam nach der fünften Erscheinung die Aufforderung des Polizeikommissars, Bernadette zu verbieten, zur Grotte zu gehen. Erst am 1. März, dem Tag der 12. Erscheinung, entschloß er sich, Bernadette zu begleiten.
 
Am 21. Februar - also 10 Tage nach der ersten Erscheinung - greift die Staatsgewalt ein. Das Kind wird verschiedentlich verhört; doch dieses stört sich an kein Verbot.
 
Am 1. März geht der erste Bericht des kaiserlichen Staatsanwaltes an den Generalpräfekten des Departments von Pau, am 7. April erhalten 76 Besucher, die aus der Quelle Wasser geschöpft hatten, ein Protokoll, am 8. Juni wird der Zugang zur Grotte gesperrt. Aber infolge der Vermittlung der Kaiserin Eugenie, die die Heilung ihres Sohnes durch die Kräuter der Grotte und das Wasser der Quelle erlebte, gab Napoleon am 5. Oktober die Grotte für die Beter frei.


Der Bischof von Tarbes, welcher durch eine Untersuchungskommission alles genau erheben ließ, anerkannte drei Jahre später die Marienerscheinungen an der Grotte von Massabielle als glaubwürdig, gestattete die Verehrung Marias und plante den Bau einer Kirche.
 
Heute besuchen jährlich Millionen diese Wallfahrtsstätte.
 
Bis 1960 wurden über 5.000 Heilungen gemeldet, von denen 67 als echt bzw. ärztlich dokumentiert und anerkannt sind. Weiteres über Heilungen in Lourdes.


1860 sucht Bernadette im Krankenhaus von LOURDES Schutz vor dem Wirbel um ihre Person. Dieses Krankenhaus wird von den Caritas und Schulschwestern geleitet, deren Mutterhaus in Nevers steht. Bernadette tritt 1866 als Novizin dort ein und pflegt von nun an Kranke.

 
Bernadette Soubirous

 
Bernadette hat für die Gnade dieser Erscheinungen viel erleiden müssen, Verdächtigungen, Verleumdungen, Anfeindungen, nicht zuletzt von den Mitschwestern im Kloster von Nevers, in das sie eintrat. Außerdem war sie Zeit ihres Lebens eine Kranke, erst fünfunddreißigjährig starb sie an Asthma. Doch war zu dieser Zeit – 1879 – ihr Heimatdorf Lourdes schon weltberühmt geworden, und die Pilger aus aller Welt strömten zur heilbringenden Quelle. Dreißig Jahre nach Bernadettes Tod, als man ihr Grab anlässlich des Seligsprechungsprozesses öffnete, fand man ihren Leichnam ohne die geringste Spur der Verwesung, während das Leichentuch vermodert und das Sterbekreuz verrostet waren. Und so, wie sie damals lag, kann man die hl. Bernadette noch heute in einem Sarg aus Gold und Kristall in der Klosterkapelle zu Nevers sehen.
 
Lourdes ist heute – zusammen mit Guadalupe in Mexiko - der größte und am meisten besuchte Wallfahrtsort der Kirche. Täglich kommen Tausende aus allen Erdteilen dorthin. Und es gibt wohl kaum jemanden, der nicht irgendetwas von Lourdes mitnimmt, der nicht gestärkt und getröstet heimkommt – und nicht wenige erleben auch körperliche Heilungen, oft unspektakuläre, manchmal aber auch spektakuläre. (Kirchlich anerkannt sind bis heute etwa 70 Heilungen, bei denen die Rückbildung einer tödlichen Erkrankung oder Behinderung wissenschaftlich nicht erklärbar ist.)
 
Lourdes – und andere marianische Wallfahrtsorte wie Fatima, Medjugorje, Garabandal, Tschenstochau Pompeij oder Altötting, (aber auch kleinere Marienheiligtümer) – lassen die Menschen die Gegenwart Gottes und seiner Heilsmacht erfahren. – Gott hat nicht nur vor zweitausend Jahren zur Zeit Jesu geholfen; er hilft auch heute, er ist auch heute die alles bestimmende Macht. Und an bestimmten Gnadenorten, besonders marianischen, manifestiert sich das besonders.


Am 16. April 1879 starb Bernadette (Ordensname: Schwester Marie-Bernard) im Heiligkreuz-Krankenzimmer des Klosters Saint-Gildard: sie war damals 35 Jahre alt.
 
Als Kind einer sehr armen Familie, unterernährt und schlecht behaust, war Bernadette immer sehr anfällig gewesen. In ihrer Jugend litt sie an schmerzhaftem Asthma. Ihre schlechte Gesundheit verschloss ihr beinahe auf immer die Pforten zum religiösen Leben. "Aber, Herr Bischof, sie würde ein Stammgast unseres Krankenhauses sein", erwiderte die Mutter Oberin Louise Ferrand Monseigneur Forcade, der ihr vorgeschlagen hatte, Bernadette unter die Schwestern von Nevers aufzunehmen.
 
Dreimal in ihrem kurzen Leben erhielt sie die Letzte Ölung. Zum Asthma kamen andere Leiden: Lungentuberkulose, ein Krebsgeschwulst im rechten Knie...... Am Mittwoch, den 16. April, verdoppelte sich ihre Schmerzen. Kurz nach elf Uhr, schien sie dem Ersticken nahe. Man trug sie in einem Sessel, die Füsse auf einer Stütze, vor den Kamin, in dem ein kräftiges Feuer loderte. Sie starb gegen viertel nach drei.
 
Mit Genehmigung der Zivilbehörden blieb der Leichnam der Bernadette bis zum Samstag, 19. April, zur Verehrung durch die Öffentlichkeit aufgebahrt.

 
Bernadette in ihrem Sarg, 1879
Bernadette in ihrem Sarg, 1879.

 
Dann wurde er "in einen Doppelsarg aus Blei und Eichenholz eingeschlossen, der vor Zeugen, die das Protokoll unterzeichnet hatten, versiegelt wurde". Zu diesen Zeugen gehörten „der Friedensrichter Devraine und die Polizeibeamten Saget und Moyen“.


Am 16. April 1879 starb Bernadette (Ordensname: Schwester Marie-Bernard) im Heiligkreuz-Krankenzimmer des Klosters Saint-Gildard: sie war damals 35 Jahre alt.
 
Als Kind einer sehr armen Familie, unterernährt und schlecht behaust, war Bernadette immer sehr anfällig gewesen. In ihrer Jugend litt sie an schmerzhaftem Asthma. Ihre schlechte Gesundheit verschloss ihr beinahe auf immer die Pforten zum religiösen Leben. „Aber, Herr Bischof, sie würde ein Stammgast unseres Krankenhauses sein“, erwiderte die Mutter Oberin Louise Ferrand Monseigneur Forcade, der ihr vorgeschlagen hatte, Bernadette unter die Schwestern von Nevers aufzunehmen.
 
Die Nonnen von Saint-Gildard wurden gemeinsam mit dem Bischof von Nevers bei den Behörden vorstellig, damit der Leichnam der Bernadette in einer dem Hl. Joseph geweihten kleinen Kapelle des Klosters beigesetzt werde. Die Genehmigung wurde am 25. April 1879 erteilt, und am 30. April stimmte der Präfekt von Nière der Wahl des Ortes für das Grab zu. Anschließend begann man mit der Aushebung der Gruft. Am 30. Mai 1879 schließlich wurde der Sarg in einer schlichten Zeremonie in der Gruft der St.Josephs-Kapelle beigesetzt.

 
Klostergarten
 
unten im Bild: die St-Jospehs-Kapelle im Klostergarten Saint-Gildard, Nevers
in der Bernadette von 1879 bis 1925 - (46 Jahre) begraben war.

 
oben im Bild: St. Helena-Kapelle, in der der jetzige Glasschrein
seit dem 3. August 1925 aufgestellt ist.


Erste Exhumierung
 
Im Herbst 1909 war der bischöfliche Informativprozess (zur Feststellung des Rufes der Heiligkeit, der Tugenden und Wunder der Bernadette) abgeschlossen: Danach musste zum ersten Mal die „Wiedererkennung des Leichnams“ durchgeführt werden, d.h. die juristische und kanonische Identifizierung des Körpers und die medizinischen Beschreibung seines Zustands.
 
Die erste Exhumierung fand also am Mittwoch, den 22. September 1909, statt. Die offiziellen Urkunden, die in den Archiven von Saint-Gildard aufbewahrt werden, gestatten es, den Vorgang der „Wiedererkennung“ Zug um Zug verfolgen:
 
Es ist 8.30 Uhr. Monseigneur Gauthey, Bischof von Nevers, und der kirchlichen Gerichtshof betreten die grosse Klosterkapelle. Ein Tisch, auf dem die Evangelien liegen, ist am Eingang zum Altarraum aufgestellt. Nacheinander schwören drei Zeugen ( der Abbè Perreau, die Oberin Marie-Josèhpine Forestier und ihre Stellvertreterin), die beiden Ärzte (Dr. Jourdan und Dr. David), die Maurer Gavillon und Bouè und die Schreiner Cognet und Mary eidlich, die Wahrheit zu sagen, Die Gruppe begibt sich anschließend in die St.Josephs-Kapelle. Der Bürgermeister der Stadt und sein Stellvertreter haben darauf bestanden, die juristischen Formalitäten selbst durchzuführen.
 
Der Gruft-Deckel wird abgehoben, der Sarg wird sichtbar. Die Arbeiter tragen ihn in den „Pavillon“ und setzen ihn auf zwei mit Leintuch bedeckten Gerüsten ab. Ein weiss verkleideter Tisch daneben ist zur Aufnahme des Leichnams oder, je nachdem, der Gebeine der Bernadette vorbereitet. Der Holzsarg wird geöffnet, der Bleisarg aufgeschnitten. Der Leichnam der Bernadette wird sichtbar: Er ist völlig erhalten. Nicht der geringste üble Geruch. Die Schwestern, die sie vor dreißig Jahren begraben hatten, bemerken, dass sich Gesicht und Leib nicht verändert haben. Von hier an wollen wir den beiden vereidigten Ärzten das Wort überlassen:
 
"Man öffnete den Sarg: ausser uns waren anwesend der Bischof, der Bürgermeister, sein Stellvertreter und mehrere Kanoniker. - Wir nahmen nich den geringste Geruch wahr. - Der Leichnahm war von der Ordenstracht bedeckt, diese war feucht. - Nur Gesicht, Hände und Unterarme lagen bloss.
 
Der Kopf war nach links geneigt, das Gesicht mattweiss. Die Haut lag auf den Muskeln, diese lagen auf den Knochen auf. - Die eingesunkenen Lider bedeckten die Augen. - Die Brauen lebten an der Haut über den Knochen der Augenhöhle, ebenso die Wimpern des rechten Oberlids. - Die Nase war spitz und pergamentartig. - Der halbgeöffnete Mund liess die noch festsitzenden Zähne erkennen. - Die auf der Brust gefalteten Hände waren mit den Nägeln völlig erhalten und trugen noch einen vom Rost zerfressenen Rosenkranz. - Auf den Unterarmen konnte man das Muster der Adern erkennen.
 
Die Füsse waren wie die Hände wächsern wie Pergament, trugen noch die Nägel (ausser einem, der bei der Waschung des Leichnams entfernt worden war).
 
Nach Entfernung der Kleider und des Kopftuches wurde der ganze Körper sichtbar, pergamentartig, starr und hohl in allen Teilen.
 
Die kurzgeschnittenen Haare klebten am Schädel und an der Kopfhaut. - Die Ohren waren vollständig erhalten. - Die linke Körperhälfte von der Hüfte an aufwärts lag etwas höher als die rechte.
 
Der Leib war eingesunken und klang wie der ganze Körper beim Anschlag hohl wie Karton. Das linke Knie war weniger dick als das rechte. - Die Rippen standen leicht hervor, genau wie die Muskeln der Glieder.
 
Der Leichnam war so starr, dass man ihn leicht zum Waschen wenden konnte.
 
Die untere Körperhälfte war leicht geschwärzt, wohl wegen der grossen Menge Holzkohle, die man dem Sarg beigegeben hatte.
 
Zum Zeichen dessen, dass wir die vorliegende Urkunde in Übereinstimmung mit den Tatsachen ausgestellt haben:
 
Zu Nevers, am 22.September 1909. Dr. Ch. David, Dr. A. Jourdan."

 
Die Schwestern wuschen den Leichnam und legten ihn in einen neuen Sarg, zinkverkleidet und mit weisser Seide ausgeschlagen. Während der wenigen Stunden, die er der Luft ausgesetzt gewesen war, hatte sich der Leichnam geschwärzt. Der Doppelsarg wurde verschlossen, verlötet, verschraubt und mit sieben Siegeln versiegelt.
 
Schließlich trugen die Arbeiter den Leichnam der Bernadette in die Gruft zurück. Um 17.30 Uhr war alles beendet.
 
(Die vollständige Erhaltung des Leichnams der Bernadette braucht kein Wunder zu sein: Es ist bekannt, dass sich die Leichen Verstorbener an bestimmten Plätzen sehr lange erhalten und allmählich mumifizieren. Trotzdem kann man sagen, dass dieser Vorgang im Falle der Bernadette erstaunlich war: Ihre Krankheiten, der Zustand des Körpers beim Tode, die Feuchtigkeit der Gruft in der St.Josphs-Kapelle (feuchte Bekleidung, verrosteter Rosenkranz, Grünspan auf dem Kruzifix) schienen den Verfall des Fleisches eher zu begünstigen. Es muss daher genügen, wenn wir uns freuen, dass Bernadette eines seltenen biologischen Phänomen teilhaftig wurde. Von einem Wunder im strengen Wortsinn sollte man jedoch nicht sprechen)


Zweite Exhumierung
 
Am 13. August 1913, leitete Papst Pius X., gestützt auf einen Entscheid der Ritenkongregation, das Selig­ und Heiligsprechungsverfahren für Bernadette Soubirous ein und unterzeichnete das "Dekret ihrer Verehrungswürdigkeit". Der Krieg verhinderte die Durchführung des Verfahrens. Man musste bis 1918 warten.
 
Damals war Mgr. Chatelus Bischof von Nevers.
 
Eine neue Wiedererkennung des Leichnams der „Verehrungswürdigen“ wurde nötig. Die Ärzte Dr. Talon und Dr. Comte wurden mit der Durchführung des Gutachtens beauftragt. Es fand am 3. April 1919 in Gegenwart des Bischofs, des Polizei-Kommissars, sowie Vertretern der Gemeinde und des kirchlichen Gerichtshofs statt.
 
Die Ableistung der Eide, die Öffnung der Gruft, die Überführung des Leichnams, die Beisetzung in einem neuen Sarg - alles verlief wie bei der ersten Exhumierung und gemäss den Erfordernissen des Zivil­ und des Kirchenrechts. Wichtige Einzelheit: Nach der Begutachtung wurde jeder der beiden Ärzte in ein Einzelzimmer eingeschlossen und fasste seinen Bericht ohne Möglichkeit der Beratschlagung mit seinem Kollegen ab.
 
Die beiden Berichte stimmten untereinander und mit den Gutachten der Ärzte Jourdan und David von 1909 völlig überein. Neu am Zustand des Leichnams waren das Auftauchen "einiger Stockflecken und einer Salzschicht (anscheinend kalkhaltige Salze)", wahrscheinlich infolge der Waschung des Leichnams bei der ersten Exhumierung. Wir wollen hier nur die ersten Zeilen des Berichts von Dr.Comte zitieren:
 
"Bei Öffnung des Sarges erschien der Leichnam völlig erhalten, ohne Geruch (Dr. Talon schreibt genauer: "Kein Verwesungsgeruch machte sich breit, keine der anwesenden Personen fühlte sich belästigt}, fast mumifiziert, von einigen Stockflecken und einer ziemlich dicken Salzschicht bedeckt, die aus Kalksalzen zu bestehen schien. Das Skelett war unversehrt, und der Leichnam konnte ohne Schwierigkeiten auf einen Tisch befördert werden. An einigen Stellen war die Haut abgeblättert, doch auf dem Grossteil des Körpers noch vorhanden. Einige Adern sprangen noch hervor."
 
Am gleichen Abend, gegen 17 Uhr, wurde der Leichnam, in Anwesenheit des Bischofs, der Generaloberin Forestier und des Polizei-Kommissars, wieder in der St-Josephs­Kapelle beigesetzt


Dritte Exhumierung
und Entnahme der Reliquien
 
Am 18. November 1923 bestätigte der Papst die heroische Tugend der Bernadette. Der Weg zur Seligsprechung war damit frei.
 
Zur Verkündung der Seligsprechung war die Durchführung einer dritten und letzten „Wiedererkennung des Leichnams“ nötig. Im Verlauf dieser Exhumierung sollten ihm auch die Reliquien entnommen werden, die dann nach Rom, Lourdes und in die Häuser der Kongregation entsandt werden sollten.
 
Die Ärzte Dr.Talon und Dr. Comte wurden erneut mit der Begutachtung des Leichnams betraut und Dr.Comte als Chirurg zusätzlich mit der Entnahme der Reliquien.
 
Die Zeremonie fand am 18. April 1925, zwei Tage nach dem 46sten Todestag der Bernadette statt. Sie fand nach kanonischem Recht nochmals unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil die Seligsprechung noch nicht verkündet worden war. Ausser den Klosterfrauen wohnten ihr der Bischof, die Hauptvikare, der Kirchengerichtshof, zwei "amtliche" Zeugen, die beiden Ärzte, Polizei-Kommissar Mabille und Leon Bruneton als Vertreter der Stadtgemeinde bei.
 
Um 8.30 Uhr schworen in der Klosterkirche die beiden mit der Begutachtung des Leichnams zwecks dessen offizieller Wiedererkennung betrauten Ärzte sowie die Maurer und Schreiner, die die Gruft zu öffnen und den Sarg zu heben hatten, die üblichen Eide auf der Bibel. "Ich schwöre und gelobe, getreulich das Amt zu erfüllen, das mir anvertraut wurde, und die Wahrheit in allen Antworten auf die Fragen zu sagen, die mir gestellt werden, sowie auch in meinen schriftlichen Berichten über die Begutachtung des Leichnams der Verehrungswürdigen Dienerin Gottes, Schwester Marie­Bernard Soubirous, und über die durchzuführende Entnahme der Reliquien. Das schwöre und gelobe ich. Mögen Gott und seine Heiligen Evangelien mir dabei helfen." So sprachen die Ärzte. Und die Arbeiter: "Die Hand auf den Evangelien Gottes schwöre und gelobe ich, getreulich das mir aufgetragene Werk zu erfüllen. Mögen Gott und seine Heiligen Evangelien mir dabei helfen."
 
Danach wurde der Sarg der Bernadette feierlich von der St.Josephs­ in die St.Helena-Kapelle befördert. Wir veröffentlichen hier im Faksimile die vier Seiten des Berichts von Dr. Talon.
 
Im folgenden ausserdem einige Abschnitte aus dem Bericht des Dr. Comte:
 
„Auf Anweisung des Bischofs von Nevers löste und entnahm ich als Reliquie die vorderen Teile der fünften und sechsten Rippe der rechten Seite und stellte dabei fest, dass sich im Brustkorb eine feste Masse befand: die vom Zwerchfell bedeckte Leber. So entnahm ich als weitere Reliquie ein Stück der beiden, wobei ich feststellte, dass die Leber in bemerkenswert gutem Zustand erhalten war. Ausserdem löste ich die beiden von Verwachsungen umgebenen Kniescheiben samt anhängender Haut und Kalkschicht ab, ferner schliesslich zwei Muskelpartien von den Aussen-und Innenseiten der Schenkel. Auch diese beiden Muskelstücke waren sehr gut erhalten und wiesen keinerlei Spuren von Verwesung auf" - Dr. Comte fügt hinzu: "Aus der Begutachtung schloss ich, dass der Leichnam der Verehrungswürdigen Bernadette völlig erhalten war, das Skelett unversehrt, die Muskeln geschrumpft, aber gut erhalten; die wächserne Haut hatte lediglich unter der Feuchtigkeit des Sarges insofern gelitten, als sie grau geworden war und von Stockflecken und einer Menge Kristalle und Kalksalze bedeckt war. Doch war der Leichnam weder verwest noch verfallen, wie das nach derart langem Aufenthalt in einer Erdgruft normal und üblich ist.“
 
Drei Jahre später, 1928, veröffentlichte Dr. Comte in der Nr.2 der Zeitschrift der Medizinischen Vereinigung von Notre-Dame-de-Lourdes einen "Bericht über die Exhumierungen der Glückseligen Bernadette". Dort schreibt er:
 
„Ich wollte an sich den Brustkorb auf der linken Seite öffnen, um ihm die Rippen als Reliquien zu entnehmen sowie auch das Herz, das sicher noch erhalten war. Aber wegen der Neigung des Rumpfes gegen den linken Arm war es zu schwierig, nach diesen Organen zu suchen, ohne den Leichnam zu sehr zu beschädigen. Da die Ehrwürdige Mutter Oberin zudem das Herz der Heiligen mit dem ganzen Körper aufbewahren wollte, und der Bischof nicht auf der Entnahme bestand, verzichtete ich auf Öffnung der linken Seite des Brustkorbs und begnügte mich mit der Entnahme zweier Rippen auf der rechten Seite, was leichter durchführbar war.“
 
Der wohlerhaltene Zustand der Leber beeindruckte den Chirurgen besonders: „Was mir bei der Begutachtung auffiel, war die völlige Unversehrtheit des Skeletts, der Nervenstränge, der Sehnen und der Haut, die Geschmeidigkeit und Spannkraft der Muskeln und vor allem der unerwartet gute Zustand der Leber nach 46 Jahren. Dieses mürbe und weiche Organ sollte eigentlich besonders rasch verwesen oder verkalken und hart werden, doch als ich es anschnitt, war es immer noch geschmeidig und fast normal; ich wies auch die Anwesenden daraufhin und erklärte ihnen, dass mir die Tatsache kaum noch natürlich erscheine.“
 
Nach diesen chirurgischen Eingriffen musste Dr. Comte den Leichnam in Binden einwickeln und liess nur Gesicht und Hände frei. Der Leichnam der Bernadette wurde dann wieder in den Sarg gelegt, jedoch blieb dieser offen.
 
Man nahm dann durch Abguss einen Gesichtsabdruck ab, aufgrund dessen die Firma Pierre Imans (Paris) anhand einiger authentischer Fotos eine leichte Wachsmaske herstellte. Denn man sorgte sich, dass das geschwärzte (wenngleich mumifizierte) Gesicht mit den eingefallenen Augen und Nase auf das Publikum abstossend wirken könnte. Aus dem gleichen Grunde machte man auch einen Abdruck der Hände, wobei man sich hütete, irgendwie deren Stellung im Sarg zu verändern.
 
Der Leichnam blieb dann in der St.Helena-Kapelle, doch wurden deren Eingänge verschlossen und versiegelt, damit niemand dort eindringen könne. Die Schwestern, die in der Nähe Bernadettes beten wollten, konnten sie nur durch die Fenster des Saales der Hl. Veronika erblicken.
 
Am 14. Juni 1925 erklärte Pius XI. Bernadette offiziell für seliggesprochen. Noch aber war der in den Werkstätten der Firma Armand Caillat-Cateland in Lyon hergestellte Schrein nicht fertig. Erst am 18. Juli konnte der Leichnam der Bernadette in den Reliquienschrein eingeschlossen werden. An diesem Tage fand auch die sehr einfache Aufstellungszeremonie statt: Nachdem die kirchlichen Autoritäten festgestellt hatten, dass in der St. Helena-Kapelle sich alles noch im selben Zustand befand wie am 18. April, kleideten die Schwestern den Leichnam der Bernadette neu. Der Maskenbildner legte dann auf Gesicht und Hände die leichten Wachsmasken, die nach den Abdrücken hergestellt worden waren. Dann wurde der Leichnam auf einer weissen Bahre und zum Gesang des Offiziums heiliger Jungfrauen in den Saal des Noviziats getragen und schliesslich in den Schrein eingeschlossen.

 
St. Helena-Kapelle
 
St. Helena-Kapelle

 
Am Abend des 3. August wurde der Schrein feierlich vom Noviziat in die Klosterkirche von St. Gildard überführt. Am 4., 5. und 6. August wurde ein festliches dreitägiges Hochamt zu Ehren der neuen Seligen abgehalten.


Bernadette
wie sie in ihrem Schrein liegt
 
In diesen Augusttagen 1925 begann der lange Pilgerzug der Freunde der Heiligen Bernadette. Doch unter die andächtige Menge mischen sich auch oft bloss neugierige Touristen und sogar Skeptiker. Man fragt uns: „Ist das aber auch wirklich der Leichnam der Bernadette ? Und wenn er es ist, hat man ihn etwa nicht einbalsamiert?“ Die medizinischen Berichte über die drei Exhumierungen, die jedesmalige Anwesenheit weltlicher und geistlicher Autoritäten, die Strenge der kanonischen Vorschriften geben darauf eindeutig Antwort: Ja, das ist der Leichnam, der unversehrte Körper der Bernadette in diesem Schrein. Er befindet sich dort, nach medizinischer Ausdrucksweise, in quasi­mumifiziertem Zustand, nur einige Reliquien wurden ihm entnommen. Auf Gesicht und Hände wurden leichte Wachsmasken aufgelegt, die nach direkten Abdrücken und authentischen Fotos gegossen wurden. Um diese Tatsache zu bestreiten, so wunderbar sie auch erscheinen mag, müsste man den guten Glauben der Menschen bezweifeln, deren Zeugnis hier letzte Autorität hat: die Ärzte, die Polizeibeamten, die vereidigten Zeugen, die Mitglieder des Kirchengerichts.
 
Ja, es ist der Leichnam der Bernadette in der Haltung der Andacht und des Gebets, den er im ersten Sarg angenommen hat. Dies ist das Gesicht, das sich achtzehnmal der „Dame von Massabielle“ zuwandte. Dies sind die Hände, die den Rosenkranz vor und während der Erscheinungen beteten. Diese Finger haben im Erdreich gewühlt und aus ihm die wundertätige Quelle hervorspringen lassen. Diese Ohren haben die Botschaft gehört, diese Lippen haben dem Pfarrer Peyramale den Namen der Dame mitgeteilt: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“
 
Dies ist auch ihr Herz, das Jesus Christus, die Jungfrau Maria und alle Sünder so geliebt hat. Es genügt, diesen Leichnam in seinem Schrein zu betrachten, um sich plötzlich in Gegenwart der wunderbaren Ereignisse von Lourdes zu fühlen. Etwas von der Gnade von Massabielle dringt bis in unsere Seele ein!
 
Rings um den Schrein laufen, in das Metall gegraben, die Worte der Jungfrau.
 
Doch war das eigentlich nötig? Aus dem kleinen gebrechlichen Körper, der ganz in Gott zurückgenommen scheint, dringt eine lautlose Stimme bis in unser Innerstes ein. Hier ist Bernadette gegenwärtig. Hier betet Bernadette. Hier legt Bernadette Zeugnis ab. Wagen wir es zu sagen: Hier lebt Bernadette noch immer irgendwie.
 
Und ihre Botschaft bricht noch immer so rein wie am ersten Tag hervor: Hier erfüllt Bernadette, täglich und für jeden Pilger, den ihr im Namen Gottes anvertrauten Auftrag der „Unbefleckten Empfängnis“: Immer wieder sagt sie uns dass Gott Liebe ist und dass er nicht aufhört uns aus der Finsternis unserer Sünde zu seinem wunderbaren Lichte zu rufen.

 
Bernadette im Schrein


 
Bernadette im Schrein Detail

 
„Ich werde Niemanden vergessen“ Heilige Bernadette



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Genehmigte Ausgabe des bisherigen Inhabers.
Erstellt von Familie Wimmer
Diese Seite wurde am 6. Februar 2008 erstellt.