Chronik Grünenbach

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GRÜNENBACHER CHRONIK
 
von den Anfängen bis zur Gegenwart
 
von Pfarrer Herbert Mader
 
Teil 9
 
Seite 47 bis 54

 
Laubenberg und die Laubenberger
 
Neben der Burgruine erinnern an das Geschlecht derer von LAUBENBERG noch
 
das Urkundenbuch mit den Jahrtagsstiftungen im Pfarrarchiv, an die zum Teil alte Siegel angehängt sind, und
 
der Grabstein im Chor der Pfarrkirche mit ihren Wappen und dem Wappen der SPATH.
 
ENDRES (a.a.O., S. 14) erwähnt weiter die jetzt zugemauerte Gruft unter dem Ölberg, in der los von LAUBENBERG, seine Gattin Barbara von OW und andere LAUBENBERGER beigesetzt wurden. Urn 1830 sei eines dieser Gräber geöffnet worden, man hätte aber nur Gebeine und ein verrostetes Schwert gefunden, welches wieder zu den Gebeinen gelegt wurde.
 
ENDRES schreibt weiter (S. 43), daß die Burg Altlaubenberg, zur Zeit Karls des Großen‘ erbaut wurde, was durch nichts nachgewiesen werden kann. Ebenso ist die Angabe (S. 45)
 
  Der Stammvater des Adelsgeschlechtes ist Hermann, welcher im Jahr 782 von Karl dem Großen mit dem Schloss Laubenberg belehnt wurde.
nicht zu belegen.
 
Sicher ist die andere Angabe, daß sich das Geschlecht vor 1268 in drei Linien aufspaltete:
 
in die Linie LAUBENBERG zu Altlaubenberg,
in die Linie LAUBENBERG zu Stein und
in die Linie LAUBENBERG zu Rau(c)hlaubenberg.
 
Altlaubenberg hatten die LAUBENBERGER zunächst von St. Gallen, ab 1390 vom Haus Osterreich zu Lehen,
 
Laubenberg-Stein vom Bistum Augsburg und
 
Rau(c]hlaubenberg von den Grafen von MONTFORT.
 
Über den Besitz im Allgäu hinaus waren die LAUBENBERGER auch in der Schweiz (OTT a.a.O., S. 278) und Württemberg reich begütert. Unter den Besitzungen in Württemberg wären zu nennen solche in
 
  Balingen, Böhmenkirch, Brackenheim, Ehingen, Ellwan-
Chronik Seite 47 Tor
  gen, Eßlingen, Geislingen, Gmünd, Kirchheim, Kleingartach, Kolbingen, Laupheim, Nenningen, Niederhofen, Nusplingen, Renquishausen, Rißtissen, Schnittlingen, Spaichingen, Steinbach, Stetten, Treffelhausen, Tuttlingen, Unterdigisheim und Weißenstein.
 
Für Grünenbach von Interesse ist die Linie LAUBENBERG zu Altlaubenberg, die anderen insofern, als sie nach dem Aussterben dieser Linie in deren Nachfolge eintraten,
 
Fürs erste sei auf ein Problem aufmerksam gemacht:
 
Da unter den LAUBENBERGERn der drei Linien nicht wenige den gleichen Namen tragen und Geburts- und Todesdaten zumindestens in den Anfängen nicht bekannt sind, ist es nur schwer möglich, eine gewisse Ordnung in der Generationenfolge herzustellen. Dies wird versucht, indem die jeweilige Generation mit römischen Zahlen bezeichnet wird. Auf diese Weise kann der allgemeine Uberblick etwas erleichtert werden.
 
Als erster LAUBENBERGER überhaupt ist ein Heinrich von LOUBINBERCH urkundlich erwähnt, der am 13. April 1263 mit Konradin (1252-1268), dem jungen Herzog von Schwaben und späteren König, in Wilten bei Innsbruck weilte.
 
Die Reihe derer von LAUBENBERG zu Altlaubenberg eröffnet
 
(I) Conrad von LAUBENBERG, der mit Isolde von STEIN verheiratet war. Aus dieser Ehe stammt der gleichnamige
 
 
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Laubenberg und die Laubenberger
Zwischenlinie

 
(II) Conrad von LAUBENBERG, der mit Elisabeth von ELLHOFEN vermählt war und einen Jahrtag nach Grünenbach stiftete. Seine Kinder waren:
 
(IIIa) Jos von LAUBENBERG, in erster Ehe vermählt mit einer von RIETHOF zu EBERSPACH. In zweiter Ehe heiratete er Agnes von LIERHEIM, die Witwe Rudolfs von WEILER, welche aus ihrer ersten Ehe die Kinder Rudolf und Anna mitbrachte.
 

Die Urkunde der im Jahr 1343 beigelegten Erbauseinandersetzung trägt das Siegel des Jos, seines Vaters und seines Bruders Heinrich. 1383 stiftete Jos für sich und seine zweite Ehe einen Jahrtag nach Grünenbach. Aus der zweiten Ehe stammt auch der Sohn (IVa) Conrad von LAUBENBERG.
 
(IIIb) Heinrich von LAUBENBERG, in erster Ehe vermählt mit Elsbeth von WAAL. In zweiter Ehe heiratete er eine von ROTENSTEIN. Aus Heinrichs erster Ehe stammen (IVb) Friedrich von LAUBENBERG, 1405–1434 Fürstabt von Kempten, von dem in einem eigenen Kapitel die Rede sein wird, [IVc) Heinrich, (IVd) Hermann und (IVe) Walter von LAUBENBERG.
 
(IIIc) Katharina von LAUBENBERG (erwähnt 1332], die Brun von HERTENSTEIN heiratete.
 
(IVa) Conrad von LAUBENBERG war 1388 Vogt zu Rothenfels, 1390 verkaufte er die halbe Burg Altlaubenberg und den ganzen Bauhof um 700 Pfd. Pfennige an seinen Vetter Heinrich, Bald darauf starb er und hinterließ einen Sohn (Va) Conrad und eine Tochter (Vb) Anna.
 
(IVc) Heinrich von LAUBENBERG war vermählt mit Anna von FREYBERG zu BACH. Seine Ehe blieb kinderlos. Er war 1370 Vogt des Stiftes Kempten.
 
(IVd) Hermann von LAUBENBERG war vermählt mit Els von BAISWEIL, welche ihm die drei Töchter (Vc) Ursula, (Vd) Agatha und (Ve) Magdalena schenkte. Hermann stiftete für sich, die Gattin und die Töchter einen Jahrtag nach Grünenbach.
 
(IVe) Walter von LAUBENBERG war Kirchherr in Ehingen, der dort 1441 gestorben ist. Am Montag vor Bartholomäi (= 24. August) 1435 errichtete er in Isny ein Testament.
 
(Va) Conrad von LAUBENBERG war vermählt mit Magdalena von WERDENSTEIN. Er ist erwähnt 1409 als Vogt zu Blaichach und Staufen und 1434 als Vogt zu Wolkenberg. Er stirbt 1442 kinderlos. Mit ihm erlischt die auf [I) Conrad von LAUBENBERG zurückgehende Linie im Mannesstamme.
 
(Vd) Agatha von LAUBENBERG ist verheiratet mit einem von GRIMMENSTEIN.
 
(Ve) Magdalena von LAUBENBERG war in erster Ehe vermählt mit Conrad von GAMMERSCHWANG. In zweiter Ehe heiratete sie Eberhard von RYSCHACH. Aus dieser zweiten Ehe stammte Agnes von RYSCHACH, die Hans von LAUBENBERG zu RAUHLAUBENBERG das Ja-Wort gab.
 
Nach dem Tod des Conrad von LAUBENBERG zu Altlaubenberg im Jahr 1442 war sein Besitz an die Verwandten zu Laubenberg-Stein und Rauhlaubenberg gefallen. Jos von LAUBENBERG zu RAUH- LAUBENBERG († 1452), der mit Margareta von WEILER verheiratet war, zog daraufhin nach Altlaubenberg. Sein Sohn
 
(I’) Hans von LAUBENBERG zu RAUHLAUBENBERG wurde zum Begründer der zweiten Altlaubenberger Linie. Mit seiner Heirat war eine Verbindung zur ersten Altlaubenberger Linie geschaffen. – Wie schon erwähnt, war Altlaubenberg österreichisches Lehen. Es wurde darum 1464 von Kaiser Friedrich (1440–1493) zu Neuenstadt an Hans von LAUBENBERG zu RAUHLAUBENBERG erneut übertragen. Dieser hatte sich inzwischen mit seinem Onkel Caspar so geeinigt, daß dieser Laubenberg-Stein, er selbst aber Altlaubenberg und Rauhlaubenberg erhalten sollte. Bald traf ihn aber ein großes Mißgeschick.
 
  1468 brannte ihm am Freitag in der Fronleichnamswoche die Burg Altlaubenberg mit den Registern und Zinsbriefen ab. Dr ZÖR schreibt [vgl. ‚Urkunden-Auszüge zur Geschichte des Adelsgeschlechtes von LAUBENBERG‘, S. 83):
 
  ... Er verfaßte dann ein neues Register in welchem vorkommen der Bauhof, die Taferne und die Badstube zu Schönau, der Maierhof auf der Scheiben, zu Hochreute, Oberhäuser Vogelsang,
 
 
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Laubenberg und die Laubenberger
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  Egg, Kirnptlen, Thal zu Goßholz, Hummelberg, Straß, Engenberg, Tobel, Sätele, Brennberg, Manzen, Balzhofen, Wengen, Osterhofen, Brugg, Urlau usw.
 
  Aus der mit Agnes von RYSCHACH geschlossenen Ehe gingen die Kinder (IIl’a) Jos, (II’b) Anastasia, (II’c) Genovefa und (II’d) Magdalena hervor.
 
  Hatte er sich in seiner Ritterehre gekränkt gefühlt? Hatte er mit Zechkumpanen über den Durst getrunken oder war es nur sein hitziges Gemüt? Er erschlug jedenfalls zusammen mit Wilhelm von WEILER 1472 bei einem Aufenthalt in Ems den Lindauer Bürger Conrad INDERBÜND. Dessen Schwester Clara klagte beim Hofgericht in Rottweil. Die Übeltäter wurden geächtet und ihr Besitz als Schadenersatz der Klägerin zugesprochen. Sie sollte deren Güter nützen, versetzen oder verkaufen können wie ihr Eigentum. Hans von LAUBENBERG und sein Mittäter bemühen sich daraufhin um einen Vergleich, der für sie günstig ausfällt. Gegen die Zahlung von 265 rheinischen Gulden wird am Montag nach Michaelis (= 29. September) 1472 die Acht aufgehoben. Weil er damit verhältnismäßig glimpflich wegkam, hat er wohl im gleichen.]ahr das Kaplaneibenefizium in Bühl am Alpsee gestiftet.
 
 
1487 erhält Hans von LAUBENBERG vom Augsburger Bischof Friedrich II., Graf von ZOLLERN [1486–1505) das Kirchenlehen und den Kirchensatz zu Immenstadt sowie 8 Malter Haber Vogtrecht. 1495 stiftet der LAUBENBERGER einen Jahrtag in Grünenbach.
 
1516 bestimmt er in seinem Testament, daß sein Sohn Jos mit der Mutter friedlich teilen soll. Sein Totengedächtnis soll alle Jahre mit 16 Priestern begangen werden. Bei seinem Ableben sollen Meßstipen- dien – damals 8 kr – geschickt werden nach Ebratshofen, Ellhofen, Gestratz, Lindenberg, Röthenbach, Scheidegg, Staufen, Stiefenhofen und Weiler.
 
1520 segnet er das Zeitliche im Alter von 80 Jahren.
Chronik Seite 49 Ritter
 
(II’a) Jos von LAUBENBERG, sein Sohn und Erbe, war vermählt mit Barbara von OW (AU). Aus dieser Ehe gingen hervor die Kinder (III’a) Magdalena, (III’b) Hans Joachim, (III’c) Johann Jos, (III’d) Johann Georg, (III’e) Johann Jakob, (III’f) Anna, (III’g) Salome und (III’h) Cleopha.
 
  Vom Augsburger Bischof Christoph von STADION (1517–1543) erhält er wie sein Vater einen Anteil an den Einkünften der Pfarrei Immenstadt.
 
 
1521 wird ihm am 31. März zu Worms durch Kaiser Karl V (1519–1556) die Feste Altlaubenberg als Lehen anvertraut. Unruhige Zeiten dämmern herauf, im Bauernkrieg wird auch Altlaubenberg ausgeplündert. Der später in die Gefangenschaft des Truchsessen geratene Bauernanführer muß dafür 400 f1 Schadenersatz leisten. Nach der Nieder- schlagung des Aufstandes war Jos der Anführer eines zwanzig Mann zählenden Reitertrupps, der die Brandsteuer von 6 fl bei denen eintrieb, die sich am Aufstand beteiligt hatten.
 
1532 wird los von LAUBENBERG zu Innsbruck die hohe und niedere Gerichtsbarkeit in seiner Herrschaft verliehen. Ihre Grenzen werden dabei genau beschrieben. lm gleichen Jahr wird er aber auch ermahnt, keine ‚Winkelprediger‘ zu halten. Mit dieser Bezeichnung
 
 
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Laubenberg und die Laubenberger
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  waren Prädikanteri gemeint, die reformatorische Ideen verbreiteten. Sie sollten aus den noch katholischen Gebieten ferngehalten werden.
 
1535 ist wieder einmal die Vergabe der Pfarrei Stein fällig, bei der seit alters die LAUBEN- BERGER das Patronatsrecht ausüben. Man einigt sich darauf, daß diesmal die Linie Altlaubenberg/ Rauhlaubenberg am Zuge sein solle. Das nächstemal sollte dann die Linie Laubenberg-Stein den Pfarrer dem Bischof zur Bestätigung vorschlagen.
 
1544 stirbt Jos von LAUBENBERG.
 
(II’b) Anastasia von LAUBENBERG war vermählt mit Conrad von HEIMENHOFEN.
 
(II’c) Genovefa von LAUBENBERG war vermählt mit Simon TÄNZL von TRATZBERG.
 
(II’d) Magdalena von LAUBENBERG war vermählt mit Ruland von LANDAU.
 
(III’a) Magdalena von LAUBENBERG († 1529) war vermählt mit Werner SCHENK von STAUFENBERG.
 
(III’b) Hans Joachim von LAUBENBERG († 1574) war vermählt
 
 
1535 in erster Ehe mit Margareta von LANDAU,
 
1541 in zweiter Ehe mit Maria SPAET von SULZBERG,
 
1562 in dritter Ehe mit Margareta von HORNSTEIN.
 
1544 wurde auch ihm von König Ferdinand zu Innsbruck die hohe und niedere Gerichtsbarkeit verliehen,
 
1545 erfolgte in Worms durch Kaiser Karl V. die Verleihung des
Chronik Seite 50 Wappen
 
  Lehens Altlaubenberg. Diese Lehensübergabe wurde von den nachfolgenden Kaisern bestätigt.
 
  In der Herrschaft Rauhlaubenberg hatten die LAUBENBERGER nur die niedere Gerichtsbarkeit und den ‚niederen Forst‘, also nur die Jagd auf Hasen, Füchse, Eichhörnchen, Vögel, Enten, aber nicht auf Rehe. Für Wilderer wurde l565 als Strafe festgesetzt:
 
  6 Batzen für Fuchs und Marder, 3 Batzen für einen Hasen, 2 Batzen für einen Vogel.
 
  Seine Kinder aus erster Ehe waren (IV’a) Hans Joachim, (IV’b) Anna und (IV’c) Jos. Aus der zweiten Ehe stammen (IV’d) Jos, (IV’e) Elisabeth, (IV’f) Joachim, [IV’g] Maria, (IV’h) Anna. ENDRES (a.a.O., S. 60) erwähnt außerdem noch die Namen Johannes, Caspar, Christoph, Katharina und Christina. Die zweimal auftauchenden Namen sind wohl damit zu erklären, daß einer der beiden Namensträger bereits in frühem Kindesalter gestorben ist.
 
(III’f) Anna von LAUBENBERG war vermählt mit Johann Ulrich von SYRGENSTEIN.
 
(III’g) Salome von LAUBENBERG war vermählt mit Sebastian von RATZENRIED.
 
(III’h) Cleopha von LAUBENBERG war vermählt mit Simpert von FREYBERG.
 
(IV’b) Anna von LAUBENBERG war vermählt mit Paul von FREYBERG zu EISENBERG († 1589). Beide sind beigesetzt zu Mengen im Hegau.
 
(IV’c) Jos von LAUBENBERG war in erster Ehe vermählt mit Clara VOGT zu ALTSUMMERAU und PRASSBERG, in zweiter Ehe mit Maria von HAUSEN. Aus der ersten Ehe stammen Christoph, Jacob – beide starben jung – und (V’a) Joachim, aus der zweiten (V’b) Maria und (V’c) Anna.
 
(IV’e) Elisabeth von LAUBENBERG war vermählt mit Johann Christoph SCHENK von STAUFENBERG.
 
(IV’f) Joachim von LAUBENBERG war vermählt mit Margareta Anna von HAUSEN, welche ihm die Kinder (Vd) Johann Christoph, (V’e) Anna, (V’f) Barbara Sibylla, (V’g) Emerentia und (V’h) Elisabeth Anna († 1607) schenkte.
 
(IV’g) Maria von LAUBENBERG war vermählt mit Heinrich von WERDENSTEIN.
 
 
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Laubenberg und die Laubenberger
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(IV’h) Anna von LAUBENBERG war vermählt mit Johann Ludwig von SPERBERSECK.
 
 
1574 wurden (IV’c) Jos und (IV’f) Joachim von LAUBENBERG gemeinsam mit der Herrschaft Laubenberg belehnt. Joachim hat eine Stellung am Hof des Bayernherzogs und stürzt sich in Schulden, so daß er zum Verkauf des Großteils seines Besitzes im Westallgäu gezwungen ist. Er stirbt 1599.
 
1607 verzichtet Jos zugunsten seines Neffen (V’d) Johann Christoph gegen 450 fl jährliches Leibgeding auf seine Rechte.
 
(V’d) Johann Christoph von LAUBENBERG war vermählt mit Margareta SPAET von Zwiefalten. Da zu seiner Zeit nur noch Altlaubenberg bewohnbar war, nahm er hier seinen Aufenthalt. Die beiden Söhne Franz und Bernhard sterben im Kindesalter. Nach seinem Tod im Jahr 1639 studieren die beiden Söhne (VI’a) Johann Joachim und (VI’b) Johann Theodor in Konstanz, doch beide sterben im gleichen Jahr 1647. Die Schwestern Maria Anna, Maria Veronica und Maria Susanna sterben ebenfalls unvermählt. (VI’c) Maria Elisabeth von LAUBENBERG (1628–1667) heiratet Franz Apronian PAPPUS zu TRATZBERG (1625–1679).
 
Damit ist wohl das schwierigste Kapitel der Grünenbacher Chronik abgeschlossen, welches einer Doktorarbeit würdig wäre. Die Grundlage für die Angaben in der Chronik bot die Arbeit des Immenstädter Ortshistorikers Dr. ZÖR – sie wurde im 20. und 21. Jahresbericht des Historischen Kreisvereins im Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg (Augsburg 1854 und 1855) S. 67-94 und S. 91-129) veröffentlicht – „Urkunden-Auszüge zur Geschichte des Adelsgeschlechtes von LAUBENBERG“ sowie Eduard ZIMMERMANN, „Kempter Wappen und Zeichen“. [vgl. Allgäuer Geschichtsfreund 1960/61 und 1962, S. 191 – 193) Die Arbeit von Dr. ZÖR hat auch Pfarrer ENDRES verwendet, der jedoch dann mehr und mehr den Überblick verlor wie jeder Leser seiner Geschichte der Pfarrei Grünenbach (S. 43–67) unschwer feststellen kann.
 
Da ist einer der LAUBENBERGER bereits gestorben, taucht aber dann einige Jahre darauf (aus seinem Grabe?) wieder auf,
da werden Träger des gleichen Namens verwechselt usw.
 
Auf Pfarrer ENDRES ist in diesem Punkt leider kein Verlaß. Umgekehrt listet Dr. ZÖR eine Fülle von Verträgen und Urkunden auf, in denen LAUBENBERGER männlichen oder weiblichen Geschlechts genannt werden. Dies ermöglicht eine grobe zeitliche Einordnung. Jahrtagstiftungen helfen, die Verwandtschaftsverhältnisse zu klären.
 
Voraussetzung für eine wissenschaftlich hieb- und stichfeste Arbeit wäre eine Nachprüfung der ihm vorliegenden Urkunden, die heute wohl – soweit noch vorhanden – im Staatsarchiv in Augsburg gelagert sind, eine zeitraubende, langwierige Arbeit, die dem Verfasser der Chronik nicht möglich war. (Vielleicht bietet dieses Kapitel einem geschichtsinteressierten Grünenbacher den Anreiz, diese Sisyphusarbeit auf sich zu nehmen und wissenschaftliche Lorbeeren zu erwerben!)
 
Geendet werden soll mit dem Text der Tafel, welche sich nahe bei der Bergruine findet und Aufschluß darüber gibt, wer hier war bzw. jetzt ist.
 
Burg und Herrschaft Altenlaubenberg
mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit
bis 1442 der Ritter von Laubenberg
bis 1636 derer von Laubenbergstein
und Rauchlaubenberg
letztrnals erbaut 1469
geplündert 1525
seit 1647 durch kaiserliche Be-
lehnung des Pappus von Tratzberg
1719 abgebrannt
1806 bayerisch
1892 Freiherr von Nostitz
 
 
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Die Grenzen der Herrschaft Laubenberg
 
Auf Bitten des Jos von LAUBENBERG wurde am 25. Oktober 1532 ein Vertrag zwischen der Herrschaft Bregenz und den Laubenbergern geschlossen. Ferdinand (1503–1564), seit 1521 Inhaber der österreichischen Erblande, seit 1526 König von Böhmen und Ungarn, seit 1531 römischer König, im Auftrag seines kaiserlichen Bruders Karl V. Reichsverweser, wollte mit diesem Vertrag jeden Anlaß zu Streitigkeiten aus dem Weg schaffen. So werden in ihm auch die Grenzmarken genau beschrieben, in deren Bereich den Laubenbergern die hohe und niedere Gerichtsbarkeit und andere Rechte zustehen. (Diese Grenzmarken sind – soweit möglich – in der Vorarlbergkarte des Blasius HUEBER eingetragen!) Nachfolgend wird dem Originaltext (links) eine Erklärung (rechts) gegenübergestellt:
 
... So haben wir ... Zum Sloß Altenlaubenberg ainen Bezirgken oder Kraiß auszaign lassen.   ... So haben wir ... zum Schloß Altlaubenberg einen Bezirk oder Kreis (= Verwaltungsgebiet) auszeichnen lassen.
 
Vnnd ist das Erst marcken sölches Bezirgks da sich derselb anfacht vnndter dem Sloß Lavbenberg im Burgtobel am Pach, daselbs dann bey dem Hag ain mark (1) gesezt ist.   Und das ist der erste Mark(stein) dieses Bezirks, da derselbe anfängt unter dem Schloß Laubenberg im Burgtobel am Bach. Daselbst ist dann bei dem Zaun ein Markstein (1) gesetzt.
 
Von demselben marck dem Hag nach vnnder dem Sloß Lavbenberg gegen dem Dorff Gruenenpach hinumb bis in den Aichstocken der vnnder dem Sloß Bamgarten steet, daselbs auch ain marcken (2) gesezt ist.   Von demselben Mark(stein) dem Zaun nach unterhalb des Schlosses Laubenberg gegen das Dorf Grünenbach hinüber bis zum Eichen- (wurzel)stock, der unter des Schlosses Baum- garten steht, wo auch ein Mark(stein) gesetzt ist (2).
 
Weyter von dem selben marcken furtter dem Hag nach hinumb bis an die Schlife daselbs dann auch ain marcken (3) gemacht ist.   Weiter von demselben Mark(stein) fortan dem Zaun nach hinüber bis an die ‛Schlife‘ (= Abbruchstelle, Abrutsch), daselbst ist dann auch ein Mark(stein) gemacht worden (3).
 
Von derselben marcken der Flueh nach hinumb wie der Hag geet bis in die Crenz-Tannen auf der Egg an des von Lavbenberg Halden. alda dann auch ain marck gesezt ist (4)   Von demselben Mark(stein) der Fluh (= Felswand) nach hinüber wie der Zaun geht, bis an die Grenztanne auf der Ecke an des Laubenbergers Halde (=Bergabhang), wo auch ein Mark(stein) gesetzt ist (4).
 
Furter von derselben marcken auf der Höhe hinan ob dem Ried bis auf den Gibel daselbs auch ain marck steet. (5)   Fortan von demselben Mark(stein) auf der Höhe hinan oberhalb von Ried bis auf den ‚Giebel‘ (= höchste Stelle) – daselbst steht auch ein Mark(stein). (5)
 
Von dannen bis in die Schnait da auch ain marcken steet. (6)   Von da bis in die Schnait (= durch den Wald gehauener Weg, Schneise), wo auch ein Mark(stein) steht. (6)
 
Von derselben marck die kredin dem Tobel vnnd dem Riedpach nach hinab bis in die Argen. Von derselben marck (7) die Argen hinauf den Hoch Hölzern nach in den grundt bis an das Staiglin daselbs auch ain marck gesezt ist. (8)   Von demselben Mark(stein) die Gerade dem Tobel und den Riedbach nach hinab bis in die Argen. Von demselben Mark(stein) die Argen hinauf (7), den Hölzern nach in den Grund (= Ebene, flaches Land) bis an das Steiglein – daselbst auch ein Mark(stein) gesetzt ist. (8)
 
Von solchen marcken den Ruggen hinach aus vnnd aus bis an das Hochholz von demselben marcken aber auf dem Ruggen hinaus bis an den Fallenpach aus dem Fallenpach vber den Ruggen hinaus bis in den Lezgraben alda auch ain marck gesezt ist. (9)   Von diesem Mark(stein) dem (Berg-)Rücken nach weiter und weiter bis an das Hochholz, von demselben Mark(stein) auf dem Rücken hinaus bis an den Fallenbach, aus dem Fallenbach über den Rücken hinaus bis in den Letzgraben (Letze = Straßensperre zur Verteidigung durch Ausnützung der Natur ohne Erdbewegung), wo auch ein Mark(stein) gesetzt ist. (9)
 
 
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Die Grenzen der Herrschaft Laubenberg
Zwischenlinie

 
Von demselben in den Lezprunnen vnd dem Wasserfluß so aus dem Lezprunnen geet nach bis hinder kallen in den Furtt daselbs ain marck (10) gesezt ist.   Von demselben in die Letzenquelle und dem Wasserlauf entlang, der aus der Letzenquelle kommt, bis hinter die ‚Kalle‘ (= rom. Wort für ‚Weg‘) in die Furtdaselbst ein Mark(stein) gesetzt ist. (10)
 
Von derselben marck vber der von Haimen- hoven äcker darvber die von Schinav zu treiben haben in die marck so hinder dem holz genannt das Tan gesezt worden ist. (11)   Von demselben Mark(stein) über die Äcker der Heimhofner, darüber die Schönauer das Trieb- recht haben, bis zum Mark(stein), welcher hinter dem Holz – genannt das ‚Tannholz‘ – gesetzt worden ist. (11)
 
Von solchem marck durch den Tan gredis in ain marck (12) so vor dem Tan an der Egg vor Conraden SCHMIDs Acker gesezt ist.   Von diesem Mark(stein) durch das Tannholz geradeaus zum Mark(stein), der vor dem Tann- holz an der Ecke vor Conrad SCHMIDs Acker gesetzt ist. (12)
 
Von derselben marck der vnndern Furch an Conradt SCHMIDTs Acker nach hinaus bis in den Kugel im Stauffenberg alda auch ain marck (13) gemacht ist.   Von demselben Mark(stein) der unteren Furche an Conradt SCHMIDTs Acker nach hinaus bis zur runden Kuppe des Staufenbergs, wo auch ein Mark(stein) gemacht ist. (13)
 
Von dannen den nechsten den Rainen vnnd dem Gwenndt nach bis hinden in martins vnnd Jacoben der WAGNER Holz daselbs auch ain marck gesezt worden ist, (14) vnd Zway Creuz in ain Tanen geschniten sein.   Von dort den nächsten (erg. Weg] dem Rain (= ungeptlügter Streifen zwischen den Ackern) und dem ‚Gewend‘ (?) nach bis hinten in Martin und Jacob der WAGNER Holz – daselbst auch ein Mark(stein) gesetzt worden ist (14) und zwei Kreuze in eine Tanne geschnitten worden sind.
 
Von sölhen marcken hinfür auf das Retenpacher Tobel alda dann auch ain marck (15) gesezt ist.   Vom selben Mark(stein) auf den Röthenbacher Tobel zu, wo auch ein Mark(stein) gesetzt ist. (15)
 
Von dann weiter auf der Ebne dem Tobel nach vmb vnnd vmb bis oben in die Tuncklen Staig, daselbs ain marcken gesezt ist. (16)   Von da weiter auf der Ebene dem Tobel nach weiter und weiter bis oben in die ‚dunklen Steig‘ – daselbst ein Mark(stein) gesetzt ist. (16)
 
Von demselben marck gestracks den Holzweg ob des von Lavbenbergs wisen durch das Holz bis vor Hargarten, daselbs dann ain marcken zwischen Petem ZELLINGs vnnd Hannsen EYSSERs Äckern gesezt ist. (17)   Von demselben Mark(stein) stracks (= gerade- aus) den Holzweg oberhalb des Laubenbergers Wiese durch das Holz bis vor Hargarten (?) – daselbst dann ein Mark(stein) zwischen Peter ZELLINGs und Hans EYSSERs Ackern gesetzt ist. (17)
 
Weyter von solhem marck gestracks dem Rain nach ob der Fluch an das Egg des Hölzlins genannt Ruezenpuchl daselbs auch ain marcken gesezt ist. (18)   Weiter von diesem Mark(stein) stracks dem Rain nach oberhalb der Felswand an die Ecke des Hölzleins – genannt ‚Rutzenbuckel‘ – daselbst auch ein Mark(stein) gesetzt ist. (18)
 
Von dannen den nechsten durch das bemelt Hölzlin Ruezenpuchl bis an die Creuzmarcken Tannen, die Peter ZELLINGen vnnd Hannsen LACHERs Hölzer voneinannder schaiden ist bey welher Creuz-Tannen auch ain marcken (19) gesezt worden.   Von dort den nächsten (Weg) durch das erwähnte Hölzlein ‚Rutzenbuckel‘ bis an die Kreuzmark- tanne, die Peter ZELLINGs und Hans LACHERs Hölzer voneinander scheiden. Bei dieser Kreuz- tanne ist auch ein Mark(stein) gesetzt worden. (19)
 
Von demselben marck neben dem Schwanndacker, der Yez Peter PERCKMANs ist, bis an den Kirchweg der von dem Altens- perg gen Guenpach geet, da auch ain marck (20) gesezt ist.   Von demselben Mark(stein) neben dem Schwandacker, der jetzt Peter PERCKMAN gehört, bis an den Kirchweg, der von Altensberg nach Grünenbach geht – da ist auch ein Mark(stein) gesetzt. (20)
 
Vnd von sölhem marcken den kirchweg den nechsten durch das holz bis in den mulbach daslebs ain marcken (21) gesezt ist   Und von diesem Mark(stein) den Kirchweg – den nächsten (Weg) durch das Holz bis zum Mühlbach – daselbst ein Mark(stein) gesetzt ist. (21)
 
 
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Die Grenzen der Herrschaft Laubenberg
Zwischenlinie

 
Von dannen furtter hin den mulbach auf vnnd auf bis das der Teuffenpach darein geet. Vnnd den Teuffenpach auf vnnd auf bis widerumb an die Ersten marcken vnnder dem Sloß Lavbenberg im Burgtobel ...   Von dort weiter den Mühlbach hinauf immer weiter, bis der Tiefenbach hineinfließt und den Tiefenbach weiter und weiter, bis wiederum der erste Mark(stein) unter dem Schloß Laubenberg im Burgtobel erreicht wird ...
 
Chronik Seite 54 Karte
 
Zur kurzen Orientierung:
 
Der Tobelbach fließt durch Röthenbach in Richtung Kimpflen.
Der Mühlbach entspringt bei Markierungspunkt 9 und fließt in Richtung Altensberg.
Der Tiefenbach bildet zwischen den Markierungspunkten 19 und 1 die Grenze der Herrschaft Lauben- berg.
Der Brühlbach kommt vom Pfarrdorf Grünenbach her.
 
Die einzelnen Markierungspunkte:
 
Nr. 1 unter der Burg Laubenberg im Burgtobel am Bach
Nr. 2 unterhalb des Burggartens
Nr. 6 am Waldweg
Nr. 7 an der Argen
Nr. 9 am Letzgraben
Nr. 12 an der Ecke von Conrad SCHMIDs Acker
Nr. 14 in Martin und Jacob WAGNERs Holz
Nr. 18 am Rutzenbuckel
Nr. 19 bei der Kreuztanne
 
 
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Diese Seite wurde am 14. Juni 2012 erstellt.